Auroville - über 50 Jahre gelebte reale fast ideale Demokratie

Auroville im Südosten Indiens ist eine Stadt mit aktuell über 3000 Einwohnern aus 59 Nationen als Konzept einer universellen Stadt der Zukunft. Geplant ist die Stadt für 50.000 Einwohner.

Auroville sollte für uns gleichzeitig Konzept und Ziel für eine lebenswerte Zukunft für alle Menschen dieser Welt sein! Lasst uns endlich ein vernünftiges Programm erarbeiten, wie wir dieses Ziel gemeinsam erreichen wollen!

Was ist daran Besonderes?

- Es gibt in der Gemeinschaft selbst kein Geld, da es dort nicht benötigt wird

- Es gibt keine Gotteshäuser und keine kirchlichen Einrichtungen oder Vertretungen. Glaube wird zu Hause und nicht öffentlich gelebt, aber toleriert. Damit erfolgt keinerlei Manipulation durch Kirchenvertreter.

- Jeder ist gleich viel Wert, jeder hat die gleiche Verantwortung, die gleichen Pflichten, aber auch die gleichen Rechte innerhalb der Gemeinschaft und bringt sich nach seinem Wissen, Können und Möglichkeiten bestmöglich ein.

- Die Stadt ist weitgehend autark aufgebaut und produziert Lebensmittel und Energie selbst. Der hausbau erfolgt individuelle nach den Wünschen und Bedürfnissen der Bewohner. Projekte werden in der Gemeinschaft beschlossen und gemeinsam realisiert.

- Klima- und Umweltschutz, Nachhaltigkeit, Kreislaufwirtschaft usw. sind unverzichtbare Werte dieser Gemeinschaft.

- Die Menschen aus den umliegenden Dörfern und Gemeinden werden nicht ausgeschlossen, sondern integriert und bei hrer Entwicklung  bestmöglich unterstützt.

Historische Entwicklung

Die Idee einer „universellen“ Stadt basiert auf der Gesellschaftstheorie von Sri Aurobindo und wurde von Mira Alfassa, die seit den 1930er Jahren den Sri Aurobindo Ashram in Puducherry organisierte, in die Praxis umgesetzt. Gemeinsam mit der indischen Regierung wurde das Konzept einer universellen Stadt auch den Vereinten Nationen präsentiert. 1966 beschloss die UNESCO eine Resolution, in der die Anerkennung und die Unterstützung des Projektes erklärt wird.

Die Eröffnungs- und Einweihungszeremonie am 28. Februar 1968 wurde vom indischen Präsidenten, Vertretern aus 124 Nationen und 23 indischen Staaten begleitet, welche Erde aus ihren Heimatländern als Symbol „universellen“ bzw. „planetaren Eigentums“ mitbrachten und im Zentrum der Stadt in eine eigens dort für diesen Zweck errichtete, einfache Urne aus weißem Marmor gaben und versiegelten. Rund um die Urne entstand der Versammlungsplatz für die Stadtgemeinschaft und direkt daneben das sakrale Zentralgebäude Matrimandir im Kerngebiet der Stadt Auroville.

Die Charta Aurovilles

Anlässlich der Gründungsfeierlichkeiten verlas Mira Alfassa in einer Direktübertragung des indischen Rundfunks die 4-Punkte-Gründungsurkunde Aurovilles, die ihre Vision von Integralem Leben und Zusammenleben dokumentiert:

Auroville gehört niemandem im besonderen. Auroville gehört der ganzen Menschheit. Aber um in Auroville zu leben, muss man bereit sein, dem Göttlichen Bewusstsein zu dienen.

Auroville wird der Ort des lebenslangen Lernens, ständigen Fortschritts und einer Jugend sein, die niemals altert.

Auroville möchte die Brücke zwischen Vergangenheit und Zukunft sein. Durch Nutzung aller äußeren und inneren Entdeckungen wird Auroville zukünftigen Verwirklichungen kühn entgegenschreiten.

Auroville wird der Platz materieller und spiritueller Forschung für eine lebendige Verkörperung einer wirklichen menschlichen Einheit sein.[3]

Gesetzliche Grundlage

Rathaus von Auroville

Die Stadt befindet sich im Distrikt Viluppuram des indischen Bundesstaats Tamil Nadu. Rechtlicher Eigentümer des Landes ist die Auroville Foundation (Auroville-Stiftung). Die gesetzliche Grundlage dafür wurde 1988 durch ein eigenes Gesetz geschaffen, den Auroville Foundation Act. Die Stiftung besitzt derzeit etwa die Hälfte der benötigten Fläche, der weitere Erwerb soll durch Fundraising-Aktivitäten ermöglicht werden.

Bevölkerung

Die soziale Zusammensetzung Aurovilles, das für 50.000 Bewohner geplant ist, umfasst die über 2700 Aurovillianer, zum Teil langjährige Mitglieder der Stadtgemeinschaft aus der ersten Generation, ihre Kinder und Enkel, Neubewohner und Gäste, Freiwillige und Studenten (in Saison-Zeiten rund 2000) sowie einheimische Angestellte (5000–6000), die nicht in Auroville leben. Gegen eine Mitarbeit im Gemeinwesen (Service), die in ihrer Ausgestaltung unterschiedlich aussehen kann, steht Aurovillianern ein monatlicher Unterhalt zur Verfügung, von dem die Lebenshaltungskosten bestritten werden können, sofern sie nicht über eigene Mittel verfügen. Diese „Maintenance“ liegt bei etwa 6000 Rupien.

Laut der offiziellen statistischen Erhebung vom Mai 2020[1] lebten zu diesem Zeitpunkt in Auroville 3218 Menschen (2546 Erwachsene und 672 Kinder). Insgesamt kommen die Bewohner von Auroville aus 59 Nationen. Dabei stellen die größten Bevölkerungsanteile die Inder (45 %), die Franzosen (14 %) und die Deutschen (8 %).

Stadtanlage

Matrimandir in Auroville

Im Juni 2017 erstrecken sich über das Gebiet von Auroville mehr als 100 Ansiedlungen (Communities) in unterschiedlicher Ausprägung, Lebensstandard sowie Schwerpunkt von beruflicher und sonstiger Tätigkeit.

Entworfen von einer Architektengruppe um den französischen Architekten Roger Anger, soll sich die zukünftige Stadt für etwa 50.000 Bewohner in Form einer Spiralgalaxie um den Zentralbereich erstrecken. Im Zentrum erhebt sich das Matrimandir (Tempel der Mutter), ein Zentralbau sakralen Charakters inmitten einer eigens geschaffenen, öffentlichen Gartenanlage. Vier Stadtsektoren, jeweils mit einem Nutzungsschwerpunkt – Kultur, Internationalität, Industrie und Wohnbereich – sowie landwirtschaftliche Flächen und Wald erstrecken sich vom Matrimandir strahlenförmig über eine Fläche von 25 km², wovon bis jetzt (Stand Juni 2017) erst 10 km² erworben wurden. Das Projekt selbst befindet sich noch im Stadium einer Experimentalstadt. Es stellt wie das Projekt Arcosanti (USA) den kollektiven Versuch der Realisierung einer Stadtutopie dar, mit neuen Wohn- und Lebensbedingungen zu experimentieren. Darüber hinaus werden andere Formen des sozialen Zusammenlebens durch größere Gemeinschaften (communities) entwickelt. Verschiedene Projekte forcieren die Nutzung alternativer Energiequellen. Zudem wird seit einigen Jahrzehnten wegen der gebietsweise starken Erosion ein für Indien vorbildliches Wiederaufforstungsprogramm durchgeführt.

Auroville Village Action Group

Die Auroville Village Action Group, kurz AVAG, wurde 1983 von einer Gruppe von Aurovillianern, Dorfbewohnern und Sozialarbeitern gegründet. Die Ziele waren kulturelle Zusammenarbeit, Austausch über Bildungs- und Kulturprojekte und eine langfristige Förderung integrativer Prozesse mit den tamilischen Dorfbewohnern. Unter der Einbeziehung von Frauen und Jugendlichen haben Dorfgruppen Schulen wieder aufgebaut, veranstalten Abendkurse, reparieren Straßen und helfen dadurch den Standard des Kollektivlebens in den etwa 50 Dörfern um Auroville zu heben. Die derzeitigen Schwerpunkte liegen bei der Emanzipation der Frauen und Mikrofinanzen. Seit 2005 wird das Projekt von Sozialdienern des Österreichischen Auslandsdienstes unterstützt.

UNESCO-Feier zum 40. Jahrestag

Am 10. Oktober 2008 lud die UNESCO Repräsentanten von Auroville und Auroville International zu einer Feier in Paris, um die 40-jährige Kooperation zwischen der UNESCO und Auroville zu würdigen. Zu den 700 Gästen zählten auch Botschafter und andere Offizielle zahlreicher Länder. Der UNESCO-Generalsekretär Kōichirō Matsuura hielt eine Ansprache und bekräftigte die Unterstützung seiner Organisation für Auroville, welches „ein beispielloses Experiment“ sei. Die Fähigkeit Aurovilles, vier Jahrzehnte lang zu überleben und sich zu entwickeln, lege Zeugnis ab für die Stärke der Gründungsprinzipien wie für die Entschlossenheit und Ausdauer seiner Bewohner. Er hoffe, dass die in Auroville gelernten Lektionen ähnliche Experimente nachhaltigen Lebens in anderen Teilen der Welt inspirieren würden. In einem Brief an die indische Delegation schlug die UNESCO vor, Auroville durch Aufnahme in die indische Vorschlagsliste zum Weltkulturerbe zu erklären.

Einweihung des tibetischen Pavillons

Am 20. Januar 2009 weihte der Dalai Lama, assistiert von acht Mönchen, den Pavillon der Tibetischen Kultur in der Internationalen Zone von Auroville ein, wobei nach buddhistischem Ritual Duftkerzen entzündet und Gebete gesungen wurden. Später besuchte der Dalai Lama die einzelnen Räume des Pavillons und das Matrimandir. In einem Vortrag würdigte er den Geist der Brüderlichkeit und Schwesterlichkeit in Auroville, welcher von großer Bedeutung sei in einer Welt, deren meiste Probleme auf eine zu große Gewichtung individueller Interessen zurückzuführen seien. Das wahre kulturelle Erbe Tibets beruhe auf Mitgefühl und sei über die Jahrtausende bewahrt worden. Es gehöre nicht nur den Tibetern, sondern der gesamten Menschheit, und der tibetische Pavillon stehe als Symbol dafür.

Mit der Einweihung des tibetischen Zentrums begann die Umsetzung eines durch Mira Alfassa vage angedeuteten Plans: Danach solle im Laufe der Zeit jedes Land der Welt einen eigenen Pavillon in der Internationalen Zone Aurovilles errichten und betreiben, um dort gemeinsam mit anderen Nationen die eigene spezifische Kultur lebendig darzustellen.[4]

Feiern zum 50. Geburtstag

Anlässlich des 50. Geburtstags Aurovilles am 28. Februar 2018 übersandte der indische Staatspräsident Ram Nath Kovind eine Grußbotschaft an die Gemeinschaft. Darin nannte er Sri Aurobindo „einen der größten Weisen des modernen Indiens“, der für menschliche Einheit, transkontinentale Zusammenarbeit, Harmonie und Synthese stehe. Die Ziele und Unternehmungen Aurovilles in verschiedenen Lebensbereichen seien inspirierend, und er wünsche allen Glück und Erfolg.[5]

Der indische Premierminister Narendra Modi reiste anlässlich der Feiern am 25. Februar persönlich an. Zunächst besuchte er den Sri Aurobindo Ashram und fuhr dann nach Auroville, wo er im Matrimandir meditierte. Anschließend nahm er an einer Zeremonie teil, in deren Verlauf Wasser aus 321 verschiedenen Quellen zusammengeführt wurde, darunter auch aus den indischen heiligen Flüssen Ganges, Kauvery und Narmada, das Modi in einen Lotuspond goss. Später hielt er eine Rede im Sri Aurobindo Auditorium, nachdem er zunächst eine Sonder-Briefmarke präsentiert hatte, die zum Geburtstag Aurovilles herausgegeben wurde. In seiner Rede erläuterte er unter Bezugnahme auf die Auroville-Charta fünf wichtige Grundprinzipien Aurovilles und erklärte dann: „Die indische Gesellschaft ist fundamental divers. Sie hat den Dialog und eine philosophische Tradition gefördert. Auroville präsentiert diese alte indische Tradition der Weltöffentlichkeit, indem es eine globale Diversität zusammenbringt. Indien hat den gegenseitigen Respekt und die Koexistenz verschiedener Religionen und Kulturen stets ermöglicht.“ Am Ende seiner Ansprache brachte er den Wunsch zum Ausdruck, dass Auroville auch weiterhin neue und kreative Ideen für Indien und die Welt unterstützen und entwickeln möge.[6]

Auroville International

Zur Unterstützung des Projektes wurde in Deutschland der gemeinnützige Verein Auroville International (AVI) Deutschland e. V. gegründet. Er möchte Auroville bekanntmachen und an der Verwirklichung des Ideals der menschlichen Einheit mitwirken. Er ist Mitglied der 1983 in den Niederlanden registrierten Nichtregierungsorganisation (NGO) Auroville International.

Quellen:

https://de.wikipedia.org/wiki/Auroville

Youtube: Indien - Auroville, die Stadt im Einklang





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